Alles Bio?

17.02.2011 von Barbara Fischer

Wer sich etwas Gutes tun und sich gesund ernähren will, greift gerne zu Bio-Lebensmitteln.
Doch was heißt Bio eigentlich? Und was ist damit gemeint?

Als Bio-Lebensmittel werden Lebensmittel aus der ökologischen Landwirtschaft bezeichnet. Diese Produkte müssen aus ökologisch kontrolliertem Anbau stammen, dürfen nicht gentechnisch verändert sein und wurden ohne Einsatz konventioneller Pestizide, Kunstdünger oder Abwasserschlamm angebaut.

Das würde theoretisch bedeuten, dass ein Bio-Apfel frei von Pestiziden ist. Aber weit gefehlt:

Die Verbraucher können sich vor den Belastungen kaum schützen», sagt Silvia Bilan von der Berliner Verbraucherzentrale. «Man sieht es dem Obst und Gemüse von außen eben nicht an.» Bei 87 Prozent der kontrollierten Äpfel hatte das Bundesamt Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden - oft jedoch nur in sehr geringen Mengen. Bei 7,3 Prozent der Äpfel waren die Grenzwerte überschritten. Vergleichsweise gut schnitten laut Bundesamt deutsche Äpfel ab, bei denen nur in 2,3 Prozent die zulässige Höchstmenge an Pestiziden übertroffen worden sei.
Bei Produkten mit Bio-Siegel dagegen ist der Einsatz von konventionellen Pflanzenschutzmitteln verboten. «Das heißt aber nicht, dass diese Produkte sicherer sind als konventionelle Produkte», warnt Thier-Kundke vom Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin. Im konventionellen Anbau werde zum Beispiel gegen Schimmelpilzbefall gespritzt. Öko-Produkte dagegen können von dem unsichtbaren Pilz befallen sein. «Damit sind sie nicht unbedingt gesünder», sagt Thier-Kundke. In der Regel ist Bio-Ware deutlich geringer von Pestiziden betroffen. Vollständig ausschließen will Henrik Düker von der Verbraucherschutzorganisation foodwatch die Belastung aber nicht. «Die Mittel können von Nachbarfeldern rüber wehen», warnt er. (salzburgerland.com)

Da stellen sich doch folgende Fragen: Was bedeutet ökologisch und was sind nicht konventionelle Pestizide?

Ökologische Landwirtschaft, auch biologische Landwirtschaft, bezeichnet die Herstellung von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Grundlage möglichst natur schonender Produktionsmethoden unter Berücksichtigung von Erkenntnissen der Ökologie und des Umweltschutzes. So verzichtet die ökologische Landwirtschaft auf den Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide, synthetischer Wachstumsförderer, synthetischer Düngemittel und Gentechnik wie sie in der konventionellen Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Erzeugnisse der ökologischen Landwirtschaft werden beim Verkauf als Bio-Lebensmittel keiner Lebensmittelbestrahlung unterzogen.

Udo Pollmer, Tamas Nagy und Jutta Muth zeigen in ihrem Artikel Bioträume der Ausgabe EU.L.E.N-Spiegel Heft 06/2007 unter anderem auf, dass auf Grund der vielen Ausnahmen der EU-Öko-Verordnung die Wünsche der Gesellschaft an die ökologische Landwirtschaft unrealistisch sind.

So wird suggeriert, dass der ökologische Landbau auf riskante Pflanzenschutzmittel verzichtet.

In der Verordnung (EG) Nr. 2092/91 Anhang I Teil A Nr. 3 heißt es:
Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter müssen durch die ganzheitliche Anwendung folgender Maßnahmen bekämpft werden: geeignete Arten- und Sortenwahl; geeignete Fruchtfolge; mechanische Bodenbearbeitung; Schutz vor Nützlingen durch Schaffung günstiger Verhältnisse (z.B. Hecken, Nistplätze, Aussetzung von natürlichen Gegenspielern), Abflammen von Unkrautkkeimlingen.

Hört sich gut an. Doch bei näherer Betrachtung stellt sich die Frage, ob Schädlinge und Krankheiten tatsächlich ausbleiben nur weil der Biobauer nach dem Vorbild seiner Ahnen wirtschaftet? Das würde auch bedeuten, dass es in früheren Zeiten, vor den konventionellen Pestiziden, keine Missernten und Hungersnöte gegeben haben kann.

In der Realität kommt auch der Ökobauer nicht ohne chemische Pflanzenschutzmittel aus, auch wenn diese grün sind.
Natürlich gibt es Verfahren um gegen Schädlinge und Krankheiten ohne Chemie vorzugehen, wie etwa Kulturschutznetze, Ablenkungsfütterungen oder spezielle Anbautechniken.

Das funktioniert aber nicht immer und überall.

Und weil Marienkäfer und Ökobekenntnisse alleine nicht genügen, stehen dem Biobauern laut EU-Öko-Verordnung eine Palette von
natürlichen Pestiziden zur Verfügung:
- Azadirachtin (Insektizid, Extrakt des Neembaums),
- Nikotin (Insektizid, Auszug aus Tabak),
- Quassia (Insektizid, aus Bitterholz)
dazu kommen die chemischen wie:
- Calciumhydroxid (Fungizid),
- Kaliumpermanganat (Fungizid, Bakterizid),
- Schwefel
und diverse Kupferverbindungen gegen alles und jeden.

Die Biotechnologie (gestützt auf die Gentechnik) liefert Bakterien, Pilze und Viren, die entweder tödliche Krankheiten bei Insekten und anderen Organismen auslösen oder diese auf dem Acker vergiften.

Es ist nach wie vor am unbedenklichsten, zum Bauern in der Nähe zu fahren um dort sein Obst und Gemüse zu kaufen.

Doch sind wir mal ehrlich – wer macht das schon?

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