Entgiftung – Zeit für den Frühjahrsputz

17.02.2011 von Barbara Fischer

Entgiftung ist im Rahmen von diversen Diätprogrammen ein gerne genommenes Schlagwort, um die Wirksamkeit des jeweiligen Programms anzupreisen.

Doch welches sind eigentlich die Gifte, die wir so dringend loswerden wollen?
Um die chemischen Stoffe in Kaffee, Tee, Alkohol und Junkfood kann es sich nicht handeln, denn der Körper verfügt über sehr wirksame Methoden, mit diesen Dingen umzugehen. Selbst Nikotin, Cannabis und Ecstasy bleiben nicht lange im System. Sie haben zwar eine Wirkung, werden dann aber durch chemische Reaktionen in der Leber rasch entfernt. Weshalb sollte der Körper daran festhalten wollen?

Solange toxische Substanzen jedoch im Körper sind, können sie viel Schaden anrichten. Eine Überdosis durch den Biss einer Giftschlange kann sogar tödlich sein. Und wenn Sie je nach einer durchzechten Nacht aufgewacht sind und Nie wieder! gestöhnt haben, dann wissen Sie ohnehin genau, welche Wirkung Gifte haben können.

Die winzigen Mengen an toxischen Substanzen, die der Körper tatsächlich in den Fettzellen speichert, sind dort sicher untergebracht und richten keinen Schaden an. Sie werden freigesetzt, wenn der Körper damit anfängt, Fett zu verbrennen. So lange man jedoch nicht gefährlich rasch Gewicht verliert, erreichen sie nie eine schädliche Konzentration.

Weshalb verspürt man dann aber nach einigen Tagen Fasten Übelkeit, wenn es sich nicht um die Wirkung aufgespeicherter Gifte handelt?
Einerseits kann das schlicht am Nahrungsmangel liegen. Andererseits können Entzugserscheinungen auftreten, wenn der Körper an bestimmte Stoffe – wie etwa Koffein – gewöhnt ist und diese plötzlich nicht mehr bekommt. Nach einigen Tagen verschwinden die Symptome wieder und man fühlt sich vielleicht sogar besser denn je.

Nach einer sanften Entgiftungsdiät berichten Leute häufig von einem solchen Wohlgefühl. Wer würde sich schließlich nicht besser fühlen, wenn er auf Kaffee und Zigaretten verzichtet, frisches Obst und Gemüse isst, sich Erholung gönnt und früh ins Bett geht? Abgesehen davon fühlt man sich oft schon deshalb gut, weil man etwas für sich tut. Vielleicht sollte man in solchen Methoden den Beginn einer neuen, gesunden Lebensweise sehen - statt eine vorübergehende Lösung, die den ganzen Körper von angesammelten Giften befreit, damit man sich anschließend wieder von neuem vergiften kann.

Zwei Toxikologen vom Londoner Imperial Collage, Prof. Alan Boobis und Prof. Martin Wilkins, haben folgendes Experiment gestartet:

Eine Gruppe von zehn Frauen im Alter von 19 und 33 Jahren, die nach einem Popfestival erschöpft und verkatert gerade ihren Posten vor der Bühne verlassen hatten, erschienen als am Besten für den Test einer Entgiftungsdiät geeignet.

Die Festivalbesucherinnen wurden in Ferienhäusern untergebracht. Fünf von ihnen mussten eine speziell zusammengestellte Entgiftungsdiät einhalten, die anderen folgten einer normalen gesunden Ernährungsweise.

Am Anfang und Ende wurden alle zehn Teilnehmerinnen eingehend untersucht, um festzustellen, wie hoch ihre jeweilige toxische Belastung war und um einzuschätzen, wie gut das körpereigene Entgiftungssystem funktionierte.

Im Rahmen dieses Experiments wurde die Nieren- und Leberfunktion untersucht und ein Bluttest durchgeführt.

Die Ergebnisse des Tests waren eindeutig:
Es gab keinerlei Unterschiede zwischen den beiden Gruppen. Leber und Nieren funktionierten bei allen Teilnehmerinnen gleich gut, auch die Konzentration von Antioxidantien war identisch. Die strenge Entgiftungsdiät hatte also keine besondere Wirkung gehabt.

Wie das Experiment zeigt, gibt es keine schlüssigen Belege dafür, dass wir uns durch Hungern von den Giften befreien können, die angeblich unseren Körper verstopfen. Die besten Entgiftungsmaschinen besitzen wir schon: Leber und Nieren.

Es ist sinnvoll, den Entgiftungsaufwand der Leber zu reduzieren, indem man weniger Alkohol und Koffein konsumiert. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist lebenswichtig, deshalb sollte man immer genügend Wasser trinken.

Tiefkühlkost enthält normalerweise weniger Konservierungs- und andere Zusatzstoffe als Fertiggerichte aus dem Kühlregal, deren Inhaltsstoffe den Körper eventuell belasten können.

Wenn wir also die Belastung für unseren Körper (insbesondere Leber und Nieren) durch eine gesunde, ausgewogene Lebensweise möglichst gering halten, besteht keine Veranlassung sich um das Thema Entgiftung Sorgen machen zu müssen.

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